Berit Jäger

DU EVIDENZ

Meisterschülerausstellung / Foto, Video, Videoinstallation

Mit dem Heranwachsen meiner Kinder und dem eigenen Besitz von Hund, Hasen und Meerschweinchen, nahm die Auseinandersetzung in der Familie, wie sich der Mensch gegenüber Tieren verhält, immer mehr Raum ein.
So kam es zur Bearbeitung dieses Themas, das die Veränderungen und Widersprüchlichkeit im Umgang mit Haus-, Nutz- und Wildtieren zeigt.
Seit den Anfängen der Domestizierung baute der Mensch kontinuierlich eine enge Beziehung zu Tieren auf.
Er lernte von ihnen, nutze sie als Haustiere, für Nahrung und Kleidung.
Das Verhältnis hat sich im Laufe der Jahrhunderte deutlich geändert. Je höher der Lebensstandard des Menschen wurde, desto mehr Raum gestand er dem Tier zu. Im Laufe der Zeit erkannte der Mensch, dass auch Tiere eigene Gefühle und eigenes soziales Empfinden haben. Das Tier wurde zum Freund des Menschen. Diese Erkenntnis ist die Grundbedingung für eine soziale Bindung zwischen Mensch und Tier, welche von dem bedeutenden dänischen Soziologen Theodor Geiger als Du-Evidenz beschrieben wurde.
Auch die Heimtierbeziehung ist eine Art Nutztierbeziehung des, da das Tier unsere Bedürfnisse im persönlichen Bereich befriedigt aber nicht immer tiergerecht gehalten wird.
Der Widerspruch im Zusammenleben wird hier ganz deutlich. Einerseits nehmen Haustiere zum Teil den Platz eines Partners oder Kindes ein. Sie leben in enger, emotionaler Beziehung.
Andererseits wird das Fleisch im Handel nicht mehr als Produkt vom Tier wahrgenommen.
In Fotografien, Videos und Videoinstallationen werden die Grenzen dieses widersprüchlichen Verhältnisses dargestellt.
In gleicher Deutlichkeit wie das Lebendige wird in der Gegenüberstellung auch der Kampf ums Überleben sowie der Tod in Szene gesetzt. .Um diese Diskrepanz zu unterstreichen, wird der Tod des Tieres entfremdet. Durch diese Übertragung erhalten der Tod und das Tier eine besondere Relevanz: Beides wird nicht mehr ignoriert.
Die Fotoserie “Tierheim” und die Videoinstallation “Alle Vögel fliegen hoch” von 2014 verdeutlichen die kollektive Gleichgültigkeit und Distanz zum Tod und Tier, während die Arbeit Mantrahuhn als spirituelle „Krönung“ über allen weltlichen Aspekten steht.

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DU EVIDENZ

Meisterschülerausstellung / Foto, Video, Videoinstallation ...

_geordnet

Der Titel der Schau _geordnet impliziert die intensive Auseinandersetzung mit Rangordnungen, die in
Wörtern ausgedrückt werden wie zum Beispiel „untergeordnet“, „abgeordnet“ oder „übergeordnet“.

Ordnungsstrukturen und das Warten sind Thema in den Arbeiten, Reflektion der Kindheits- und Jugenderlebnisse

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_geordnet

Der Titel der Schau _geordnet impliziert die intensive Auseinandersetzung mit Rangordnungen, die in ...

Heterotopien

Reflexionen in Ebenen

Mit diesem Titel meiner Diplomarbeit fasse ich drei Themengebiete zusammen, die eng miteinander verbunden sind und immer neue Möglichkeiten für Verknüpfungen, Überlagerungen und Erweiterungen bieten.

Die Arbeit setzt sich mit unterschiedlichen Räumen, Spiegelungen und Heterotopien der Philosophie auseinander und zeigt ihre Bezüge untereinander auf.

Dabei werden Spiegelungen als Bildsprache und Räume zur Verdeutlichung von Freiheiten und Begrenzungen genutzt.

Heterotopien können als gesellschaftliche Orte mit ihren eigenen Regeln und Ordnungssystemen betrachtet werden. Eine besondere Form sind die Einschließungsmilieus. In ihnen herrscht eine eigene Ordnungssystematik mit je einem eigenen Zeitplan. Die Zeitplanung innerhalb dieser Einschließungsmilieus (Mahlzeiten, Festsetzung von Riten und Rhythmen) stellt eine systematische Minimierung der Zeit dar.Man zählt die Familie, Schulen, Kindergärten, aber auch Krankenhäuser, Gefängnisse… zu diesen Orten.1

 

Die ersten 4 Arbeiten thematisieren den sich ständig wiederholenden Alltagstrott: die Reibungen, Widerstände, Wiederholungen, das Tempo und die Sehnsucht, dem Trott zu entfliehen.

 

In Raum 2 geht es um das Gefangensein im Alltag. Dabei sind erlernte Regeln von besonderem Interesse, welche zur Strukturierung des Alltages wichtig sind, aber auch die Person eingrenzen. Benimmregeln dienen zur Orientierung in der Gesellschaft und ermöglichen uns, einen Platz einzunehmen. Die Zerlegung des Tagesablaufs in normierte Handlungen verzahnt den Menschen mit dem jeweiligen gesellschaftlichen Ort. So wird man zu Mann/Frau, Mutter/Vater, Produktionsarbeiter/-in. Wir befolgen die Regeln nicht nur, sondern wir verkörpern sie durch unser Tun. Es entstehen Handlungsrituale. Durch das Zeigen der „richtigen“ Moral, das Abfragen von „richtigem“ Wissen und durch Sanktionen bei Abweichungen disziplinieren und überwachen wir uns selbst.

 

Raum 3 zeigt Fotoarbeiten, die sich mit Alltagswahrnehmungen auseinandersetzen. Menschen, die zur Zeit der Wiedervereinigung 40 Jahre und älter waren, haben diese Phase gesellschaftlichen Umbruchs ganz besonders intensiv wahrgenommen. Sie standen im Berufsleben, hatten ihren Sozialstatus ihren Platz in der Gesellschaft und wurden über Nacht aus sozialen Sicherheiten und Mustern gerissen. Sie mussten in vielen Belangen des Lebens neu starten und waren dort genauso Anfänger wie ihre 20-jährigen Kinder. Dieser Verlust förderte das innerliche Festhalten an alten Idealen. Die Fotoarbeiten beschäftigen sich daher mit der notwendigen Aufarbeitung der Vergangenheit in allen gesellschaftlichen Bereichen.

 

1 Quelle: http://psychogeography.blogsport.de/category/heterotopie/ Trakt 4 11.07.2012

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Heterotopien

Reflexionen in Ebenen ...

Schwarz Weiss Fotografien

punctum

Diese Arbeit setzt sich mit der Geschichte und den daraus entstandenen Theorien zur Fotografie auseinander. Zwei wichtige Essays sind

Die helle Kammer (La chambre claire, Paris 1980) des französischen Philosophen Roland Barthes

Kleine Geschichte der Photographie (Frankfurt 1976) von Walter Benjamin

So wird bei Roland Barthes der Begriff punctum geprägt. Dieser Begriff beschreibt den Teil der Fotografie, der nicht nur zu Studienzwecken, Kenntniserweiterung oder Dokumentation beiträgt sondern das nicht Sagbare, die sinnliche Wirkung beinhaltet.

Jede Fotografie ist auch eine Auseinandersetzung mit Vergangenem und Totem oder wie Barthes im Abschnitt 33 formuliert: „das lebendige Bild von etwas Totem“. So wird über eine Fotografie vergangene Existenz bestätigt und ist doch durch ihre Materialität unmittelbare Wirklichkeit.

Meine Arbeiten sind Fotografien von wichtigen Fotografen der Fotografie-Geschichte. Die Art der Aufnahmen machen das Paradoxe der Fotografie deutlich.

Es werden 4 Paare in der eingereichten Grösse gezeigt. Jedes Bild ist eigenständig gerahmt.

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Schwarz Weiss Fotografien

punctum ...

Leni im TV

basierend auf einem Film über Berlin von Leni Riefenstahl

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Leni im TV

basierend auf einem Film über Berlin von Leni Riefenstahl...

Fotografie Körper-Raum

Welchen Raum kann ein menschlicher Körper beschreiben?

Wie passen die geometrischen Formen zum organischen Körper?

Wann ist der Körper nur noch Masse?

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Fotografie Körper-Raum

Welchen Raum kann ein menschlicher Körper beschreiben? ...

Fotografie-Spiegelungen

Spiegelungen, Raum und Körper.

Durch eine Spiegelung geht einerseits eine geometrische Dimension verloren – ein Raum wird auf eine Fläche reduziert. Andererseits bietet die Spiegelung eine Fülle von optischen und inhaltlichen Bereicherungen und Interpretationen. Darüber hinaus kann durch Spiegelung der Raum hinter und vor dem Betrachter in eine Ebene projiziert werden. Die Folge ist nicht nur die bildliche Erweiterung des Dargestellten sondern auch eine inhaltliche. So steht die Spiegelung als Sinnbild für zeitliches Rückwärtsdenken.

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Fotografie-Spiegelungen

Spiegelungen, Raum und Körper. ...

Heimat

In der Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat sind mehrere Installationen und diese Videoarbeit entstanden. Sie ist sehr persönlich und bezieht sich auf den Ort, an welchem ich mich immer heimisch fühle, die Badewanne und das Bett,

Vorbeifahrende Autos mit dem wandernden Licht im Zimmer.

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Heimat

In der Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat sind mehrere Installationen und diese Videoarbeit entstanden. Sie ist sehr...

Aktuelles

DU EVIDENZ – Essenheimer Kunstverein 28.11 – 30.11.2014

Berit Jäger / Meisterschülerausstellung / Foto, Video, Videoinstallation

 

 

Ausstellungen (Auszug)

2014   DU EVIDENZ: Einzelausstellung im Essenheimer Kunstverein

2014   _geordnet: Einzelausstellung im Abgeordnetenhaus Manfred Geiss

2014   open expo: Klangkunstausstellung; TUFA Trier

2013   +_70/35: BBK Rheinland-Pfalz; Rathaus Mainz

2013   peepshow: Essenheimer Kunstverein; Rathaus Mainz

2012   Vermessen: Klasse für Medienkunst – Prof. Dr. Kiessling; Galerie 52; Essen

2012   Balmorale: Klasse für Medienkunst – Prof. Dr. Kiessling; Schloß Balmoral; Bad Ems

2011   bring your own shadow: Klasse für Medienkunst – Prof. Dr. Kiessling; CAOS Art Gallery; Venedig

2011   fail better 3: Kunsthalle Mainz; Mainz

2011   frames from the edge: Klasse für Medienkunst – Prof. Dr. Kiessling; Galerie Marion Scharmann; Köln

2010   Full House: Klasse für Medienkunst – Prof. Dr. Kiessling; Projektraum Satellit; Galerie Anita Beckers; Frankfurt

 

Fakten

Berit Jäger wurde 1971 in Bergen auf Rügen geboren / aufgewachsen in Rostock

2014   Meisterschülerin von Prof. J.Samen, künstlerische Fotografie

2012   Diplom Freie Bildende Kunst

2010   Förderpreis der Rheinland-Pfalz Bank, anläßlich des Rundgangs der Kunsthochschule Mainz / prämiert wurde eine Video-Arbeit

2006   Kunsthochschule Mainz / Studium bei Prof. D. Kiessling, Medienkunst / Studium bei Prof. J.Samen, künstlerische Fotografie

 

 

BeritBerit Jäger

Das zentrale Thema ihres künstlerischen Schaffens nennt Berit Jäger Reflexionen in Ebenen.

Durch die Verknüpfung, Überlagerung und Erweiterung erschafft die Video- und Fotokünstlerin aus den folgenden Teilgebieten eine komplexe Erlebenswelt aus Sinneseindrücken und Denkanstößen:

Spiegelung

Spiegelungen sorgen in vielerlei Hinsicht für eine Bereicherung unserer Wahrnehmung. Im Angesicht gespiegelter Räume, Objekte und Menschen verschwimmen Realität und Interpretation. Geometrien werden verkehrt, Dimensionen reduziert, Perspektiven ausgedehnt. In der Folge erweitert sich das Dargestellte nicht nur bildlich, sondern auch inhaltlich.

Jäger analysiert diese – historisch gewachsene – Bildsprache, das sinnbildliche Rückwärtsdenken und erschließt sie in neue Medien zu transferieren und ihre Arbeiten zu bereichern.

Raum

Räume sind allumfassend, ihre Wahrnehmung eine Grundlage unserer Sinneseindrücke. Räumliche Dimensionen erzeugen vielschichtige Eindrücke auf den menschlichen Körper. Von Kindesbeinen an nehmen wir – meist unbewusst – Raumeindrücke wahr, seien sie durch visuelle, auditive, gustatorische, olfaktorische oder taktile Reize ausgelöst.

Die Künstlerin beschäftigt sich mit allen Aspekten der Räumlichkeit, fördert Kontraste zutage, schafft neue Verbindungen und empfindet ihren Charakter nach und transportiert sie über ihre Arbeiten in den Kunstraum.

Erinnerung

Erinnerungen sind allgegenwärtig, ihr Erleben ist Grundlage unseres Charakters. Und unser Charakter findet Niederschlag in dem was wir tun, in dem was wir schaffen. In den gesellschaftlichen Strukturen, in den architektonischen Errungenschaften und in dem täglichen Miteinander. Die Zeit aber rückt diese Erlebnisse – wie beispielsweise Berit Jägers persönliche Vergangenheit in der Deutschen Demokratischen Republik – in die Ferne. Erinnerungen werden überlagert und verblassen.

Jäger arbeitet ihr Erleben auf und hofft damit Bilder ihrer Erinnerung auch im sozialen Gedächtnis aufzufrischen. Vielleicht unterstützt sie mit ihrer Arbeit den steten Dialog über gesellschaftliche Werte – auch bei jungen Menschen, die jene Vergangenheit nicht ertragen mussten.